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PILGERZEITUNG
 
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Pilgerzeitung 3 2010

  

3 2010

Liebe Pilger,

in diesem Jahr darf die Gebetsstätte Wigratzbad bereits zur 29. Fatima Schiffsprozession für ein Vereintes Europa einladen. Hauptgast ist Bischof Charles Caruana von Gibraltar. In seiner Diözese befi ndet sich das Marienheiligtum "Unsere Liebe Frau von Europa“, das am 5. Mai 2009 700-jähriges Jubiläum gefeiert hat. Zu diesem Anlass überreichte Kardinal José Saraiva als päpstlicher Legat die "Goldene Rose“, die höchste Auszeichnung für ein Marien-Heiligtum durch den Papst.

"Unsere Liebe Frau von Europa“

Dieses Europa-Heiligtum hat eine lange Geschichte Sie beginnt schon im Jahre 711. Nachdem die Muslime ganz Nordafrika erobert hatten, zogen ihre siegreichen Heere über das Mittelmeer nach Spanien. Nach ihrer Landung änderten sie den Namen des gewaltigen Felsmassivs von "Calpe“ zu "Gebel Tarik“ (Berge des Tarils) nach dem Namen ihres Heerführers Tarik Ihn Zayib. Daraus wurde Gibraltar. Ihren Triumph formten sie in Stein und bauten an dieser südwestlichsten Stelle Europas die erste Moschee auf europäischem Festland. Von dort aus wollten sie ganz Europa für den Islam gewinnen. Im Zug der "Spanischen Reconquista“ gelang es König Ferdinand IV. im Jahre 1309 den Felsen zurückzuerobern. Aus Dankbarkeit weihte er den gesamten europäischen Kontinent der Gottesmutter Maria, wandelte die sechs Jahrhunderte alte Moschee in eine christliche Kirche um und verlieh ihr den Titel "Unsere Liebe Frau von Europa“. 24 Jahre später eroberten die Muslime Gibraltar erneut und wandelten das Marienheiligtum erneut in eine Moschee um. Erst im Jahre 1462 gewann Ferdinands Enkel Heinrich IV. das Gebiet in einem entschlossenen Feldzug zurück. Er erneuerte die Verehrung "Unserer Lieben Frau von Europa“ und machte aus der Moschee wiederum ein Marien-Heiligtum. Nicht Allah sollte "Vater Europas“ sein, sondern "Christus ist und bleibt der Herr“ und Maria, seine jungfräuliche Mutter, sollte für immer "die Mutter Europas“ bleiben.

Das Gnadenbild

Die Statue der Muttergottes war in diesen 129 Jahren durch die Moslems natürlich entfernt und höchstwahrscheinlich zerstört worden. Jedenfalls konnte sie nicht mehr aufgefunden werden. Heinrich IV. ließ daher eine neue Marienstatue anfertigen, die bis heute im Heiligtum "Unserer Lieben Frau von Europa“ verehrt wird. Wegen der Bedeutung Gibraltars als Brücke zwischen Europa und Afrika mussten die Bürger in den folgenden Jahrhunderten noch viele Aggressionen über sich ergehen lassen. Liebe Pilger! Herzlich willkommen! 3 Schiffsprozession Am schlimmsten wüteten die britischen Truppen nach den Spanischen Erbfolgekriegen: Im Jahr 1704, also auch schon wieder über 300 Jahre später, wurde Gibraltar britisch. Die Soldaten, die seit Monaten keinen Sold mehr erhielten, raubten und plünderten rund um den Felsen, zerstörten die Wallfahrtskirche und warfen die Statue der Muttergottes ins Meer. Katholische Spanier retteten die zerbrochene Statue und brachten sie ins angrenzende sichere Spanien, restaurierten sie und stellten sie in Algeciras – gegenüber von Gibraltar – auf, wo sie nun 160 Jahre bis 1864 verehrt wurde. In jenem Jahr brachte sie Bischof John Scandella erneut nach Gibraltar zurück.

"Dieses Heiligtum wird Europa helfen“

Die Geschichte des Wallfahrtsorts liest sich wie das Drehbuch eines Films: Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche zu einem Warenhaus für die Armee umgewandelt. Erst 1961 wurde sie vom Militär wieder frei gegeben. Die Restaurierung erfolgte mit Unterstützung der Europäischen Union sowie der Regierung von Gibraltar und dauerte bis zum Jahr 1994. Seither kommen wieder zahlreiche Pilger zu diesem Ort des Gebetes – mit dem Blick auf das Atlasgebirge in Nordafrika. In seiner Botschaft zur Wiedereinweihung 1997 schrieb Papst Johannes Paul II.: "Das Christentum ist nicht nur Teil der europäischen Kultur, es ist die geistige Form der Europäer, sich den universalen Fragen zu stellen. ... Dieses Heiligtum wird Europa helfen, das christliche Erbe in Erinnerung zu rufen, und die Beter ermutigen, die Zukunft Europas auf dieses solide Fundament zu stellen.“ Bischof Charles Caruana, der weder der spanischen noch der englischen Bischofskonferenz zugeordnet, sondern direkt dem Vatikan unterstellt ist, bestätigte: "Viele spanische Besucher kommen hierher und beten an diesem Marienwallfahrtsort.“

Mutter Jesu – Mutter Europas

Dass Bischof Caruana aus Gibraltar am 15. August 2010 anlässlich der 29. Fatima Schiffsprozession auf dem Bodensee für ein Vereintes Europa in die Gebetsstätte Wigratzbad kommt, stellt ein besonderes Geschenk dar. Sein Besuch ist ein Aufruf an uns alle, in bedrängter Zeit ganz Europa erneut dem mütterlichen Herzen Mariens anzuvertrauen. Als einen der Höhepunkte der Schiffsprozession auf dem Bodensee werden wir ein Weihegebet von Papst Johannes Paul II. sprechen und alle Pilger einladen, die Weihe Europas bewusst mitzuvollziehen und zu leben. Maria führt uns zu Christus, der "Hoffnung Europas“. Maria ist insbesondere deshalb "Mutter Europas“, wie Walter Kardinal Kasper ausgeführt hat, "weil sie die vollkommene Jüngerin ihres Sohnes ist, der das Urbild des neuen Menschen ist. Sie sagt uns Europäern, ‚was er euch sagt, das tut’ (Joh 2, 5). Im Bekenntnis seines Namens wurde Europa geeint und groß. Nur im Bekenntnis zu Jesus Christus kann es seine Freiheit wieder fi nden und Zukunft haben. Die Mutter Jesu will auch die Mutter Europas sein.“

Im Herzen Europas

Am 5. Mai 2009 wurde von Gibraltar aus ein Bogen in den äußersten Nordosten Europas Von den Vertretern der drei beteiligten Heiligtümer wird eine Partnerschaftsurkunde unterzeichnet – Pfr. Erich Maria Fink für das entstehende Heiligtum in Beresniki/Ural. Schiffsprozession 4 gespannt und eine offi zielle Partnerschaft mit Beresniki im Ural besiegelt. Initiiert wurde dieser Schritt von Pater Notker Hiegl OSB, der bereits 2007 genau dazwischen, nämlich in Gnadenweiler nahe dem Kloster Beuron, ein Heiligtum "Maria, Mutter Europas“ errichtet hatte. Pfarrer Erich Maria Fink, der die Urkunde im Heiligtum von Gibraltar zusammen mit Pater Hiegl und Bischof Caruana unterzeichnet hatte, wird mit zwei Bussen aus Beresniki an der Schiffsprozession teilnehmen und dadurch nicht nur die langjährige Partnerschaft mit Wigratzbad, sondern auch die Verbindung zum Heiligtum in Gibraltar vertiefen. Möge Maria, die "Mutter Europas", ihren Schutzmantel über die Völker Europas breiten, vom Kaukasus bis zum Nordkap, von Gibraltar bis zum Ural. Mit den besten Segenwünschen grüßt aus der Gebetsstätte der Unbefleckt empfangenen Mutter vom Sieg

Ihr

Thomas Maria Rimmel, Direktor


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