DER
IMMERWÄHRENDE ROSENKRANZ
von Direktor Thomas Maria Rimmel
Als ich am Allerheiligentag 1999 nach der Gräbersegnung
in Wigratzbad über den Kirchplatz ging, begegnete ich
zwei Müttern mit ihren halbwüchsigen Töchtern.
Die vier Damen kamen aus dem österreichischen Vorarlberg.
Spontan fragte ich eine der Mütter, ob sie Mitglied in
unserer Rosenkranzbruderschaft sei. Die Frau verneinte es
zwar, meinte aber dann, dass sie schon länger den Gedanken
hege, dieser Gebetsgemeinschaft beizutreten. Völlig unvermittelt
und ohne größere Erläuterungen wandte ich
mich mit einer weiteren Frage an dieselbe Frau: "Ich
suche eine Verantwortliche für unsere Rosenkranzbruderschaft
in Österreich. Würden Sie diese Aufgabe übernehmen?"
Strahlend erteilte mir diese Frau eine Zusage. Sie sprach
dann davon, gerade aus Medjugorje zurückgekehrt zu sein.
Dort sei sie ermutigt worden, sich über den Gottesdienst
hinaus für die Kirche zu engagieren.
Die Rosenkranzbruderschaft
1986 wurde durch den damaligen Augsburger Diözesanbischof
Stimpfle in Wigratzbad die "Rosenkranzbruderschaft zum
Herrn im Elend und zur unbefleckt empfangenen Mutter vom Sieg"
errichtet. Diese Rosenkranzbruderschaft ist kein Verein, sondern
eine geistliche Gebetsgemeinschaft. Die Anregung zur Gründung
ging von Pater Johannes Schmid aus. Er übertrug der Rosenkranzbruderschaft
drei Aufgaben. Einerseits soll die Marienverehrung gefördert
werden, andererseits die Liebe und Treue zum Heiligen Vater
und zur Kirche. Schließlich will sie Sorge tragen für
Priester- und Ordensberufe. Mitglied kann jeder gefirmte Katholik
werden. Der Rosenkranz ist nicht streng verpflichtend, jedes
Mitglied bestimmt das tägliche Maß selbst. Für
jedes Mitglied wird nach dessen Tod eigens eine Hl. Messe
gefeiert, ebenso werden jedes Jahr mehrere Hl. Messen für
die Lebenden und verstorbenen Mitglieder zelebriert. Zur Zeit
hat diese Rosenkranzbruderschaft über 4000 eingeschriebene
Mitglieder.
Ein "Immerwährender Rosenkranz"
Auf das Heilige Jahr 2000 hin er wuchs nun die Idee eines
"Immerwährenden Rosenkranzes". Wie schön
wäre es, wenn die Mitglieder unserer Rosenkranzbruderschaft
- einer nach dem anderen - rund um die Uhr den Rosenkranz
beten würden. Dies könnte man dadurch erreichen,
dass sich einzelne Mitglieder verpflichten, zu einer bestimmten
Zeit pro Woche den Rosenkranz zu beten. Geht man von solch
einem Wochenzyklus aus und berücksichtigt man die Tatsache,
dass ein Rosenkranz eine halbe Stunde in Anspruch nimmt, bräuchte
man für einen "Immerwährenden Rosenkranz"
336 Beter. Unsere Bruderschaft umfasst mehr als zwölfmal
soviel eingeschriebene Mitglieder. Jeder von uns betet den
Rosenkranz sowieso zu irgendeiner Tages- oder Nachtzeit. Warum
könnte sich nicht wenigstens ein Teil unserer Bruderschaft
an einem Wochentag festlegen, immer zu einer bestimmten Zeit
den Rosenkranz zu beten? Zweifelsohne sind es die Nachtzeiten,
deren Besetzung Schwierigkeiten bereiten könnte. Aber
wie viele Beter stehen sehr früh auf oder gehen erst
spät zu Bett? Und wie viele liegen nachts wach oder arbeiten?
Durch solch einen "Immerwährenden Rosenkranz"
entstünde innerhalb der Bruderschaft eine neue Motivation
zum Gebet und ein neues Band der Zusammengehörigkeit.
Die Mitgliedschaft könnte neu erlebt werden und im Wissen
um ein ununterbrochenes Gebet einen neuen dynamischen Schwung
erlangen. Wenn immer ein Mitglied den Rosenkranz zur Hand
nimmt, weiß es sich bereits mit anderen verbunden und
taucht in einen steten Gebetsfluss ein.
Die großen Anliegen
Von Anfang an betonte die Gründerin von Wigratzbad,
Fräulein Antonie Rädler, die Notwendigkeit, für
den Papst und um heilige sowie seeleneifrige Priester zu beten.
Zu diesen großen Anliegen fügen wir beim Immerwährenden
Rosenkranz" die Bitte um eine neue Ausgießung des
Heiligen Geistes über die Kirche und die ganze Menschheit
bei. Insbesondere wollen wir die Jugend und die Familien einschließen.
Dazu ermutigt uns das Heilige Jahr 2000. Immer wieder betont
Papst Johannes Paul II., dass Gott im Jubeljahr besondere
Gnaden für die Kirche und die ganze Menschheit bereithält.
Das Heilige Jahr kann zu einer neuen Ausgießung des
Heiligen Geistes werden, wenn wir uns nur vertrauensvoll dem
Wirken dieses Geistes öffnen.
Beim ersten Pfingstfest waren die Apostel mit der Gottesmutter
Maria in Jerusalem versammelt. Plötzlich wurden alle
vom Heiligen Geist erfüllt! Wenn wir den Rosenkranz in
die Hand nehmen, uns sozusagen abermals als Gebetsgemeinschaft
um die Mutter Jesu scharen und die Geheimnisse der Geburt,
des Lebens und Sterbens, der Auferstehung und Himmelfahrt
unseres Herrn Jesus Christus betrachten, dürfen wir nichts
Geringeres erhoffen als eine neue Ausleihung desselben Heiligen
Geistes. Nur durch eine vermehrte Anwesenheit des Heiligen
Geistes in den Herzen der Menschen werden unsere Familien,
die Kirche und dadurch die ganze Menschheit erneuert. Das
Rosenkranzgebet in diesen großen Anliegen stellt damit
ein wichtiges Apostolat dar. Auch Menschen in schwierigen
Lebenssituationen - Alleinsein im Alter, Krankheit etc. -
können ihrem Leben durch die Teilnahme am Immerwährenden
Rosenkranz einen neuen Sinn verleihen und erfahren so ihren
unabdingbaren Wert.
Zum Organisatorischen
Nachdem ich den vier Damen die Idee des "Immerwährenden
Rosenkranzes" eröffnete, meinte eine der Töchter
voller Freude: "Mama, wir machen mit! Wir beten sowieso
jeden Tag um halb sechs den Rosenkranz."
Wer sich in den "Immerwährenden Rosenkranz"
einreihen möchte, soll eine Postkarte an die Rosenkranzbruderschaft,
Kirchstraße 18, 88145 Wigratzbad schicken. Darauf soll
er seine Adresse angeben, sowie den Wochentag und die Uhrzeit,
zu der er regelmäßig den Rosenkranz beten will
(z.B. Montag um 15.30 Uhr). Durch die Anmeldung verpflichten
sich also die Beter, bis auf einen schriftlichen Widerruf
hin, jedoch nicht unter Sünde, immer am selben Wochentag
zur vereinbarten Uhrzeit den Rosenkranz zu beten. Mit unseren
regelmäßigen Rundbriefen informieren wir die Beter
stets über die noch offenen Gebetszeiten. Eine besondere
Form der Teilnahme am "Immerwährenden Rosenkranz"
besteht darin, dass sich eine Familie oder eine Gruppe zum
gemeinsamen Rosenkranzgebet verpflichtet. Wenn sich eine Familie
zum gemeinsamen Gebet entschließen kann, soll sie dies
auf der Anmeldung vermerken. Von solch einem "Immerwährenden
Rosenkranz" wird eine spürbare Kraft ausgehen, die
Berge versetzen kann. Für einzelne Personen, besonders
aber für die Gruppen und Familien kann eine wöchentliche
Selbstverpftichtung zum Rosenkranzgebet eine wirkliche Erneuerung
bedeuten.
Pater Johannes Schmid hatte den Wunsch, dass die Rosenkranzbruderschaft
die Seele der Gebetsstätte Maria vom Sieg in Wigratzbad
bildet. Durch den "Immerwährenden Rosenkranz"
versuchen wir diesem Ideal ein Stück näherzukommen.
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