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Wigratzbad ist eine der bedeutendsten
Gebetsstätten im deutschsprachigen Raum mit über einer viertel
Million Gottesdienstbesuchern im Jahr. Der Gnadenort hat einen übernatürlichen
Ursprung, von dessen Echtheit Bischof Stimpfle überzeugt war.
Die seit 1988 dort ansässige Petrusbruderschaft, die nur den
alten Messritus in lateinischer Sprache zelebriert, hat dieses Jahr
mit dem Neubau eines Priesterseminars begonnen. Zur selben Zeit nun
setzte der Augsburger Bischof Dr. Viktor Josef Dammertz einen jungen
Diözesanpriester, Thomas Maria Rimmel, als neuen Direktor der
Gebetsstätte ein, mit der Maßgabe, für eine Entflechtung
der Gebetsstätte von der Petrusbruderschaft zu sorgen. |
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"Ich weiß, dass Wigratzbad
echt ist!"
von Bischof DDr. Josef Stimpfle
Der Ursprung der Gnadenstätte "Maria vom Sieg" in Wigratzbad
ist eng mit der Lebensgeschichte von Frl. Antonie Rädler verbunden.
Dem bisherigen Direktor Msgr. DDr. Rupert Gläser vertraute der
damals für Wigratzbad zuständige Diözesanbischof DDr.
Josef Stimpfle (1963-1992 Bischof von Augsburg) das persönliche
Urteil an: "Ich weiß, dass Wigratzbad echt ist!" Nur
so ist es zu erklären, dass Bischof Stimpfle am 12. Dezember
1991 selbst die Beerdigung von Frl. Antonie Rädler hielt und
die Gelegenheit dazu nützte, in der Predigt sein Urteil über
den Ursprung und die Sendung der Gebetsstätte darzulegen. Nachfolgend
die Ausführungen von Bischof Stimpfle im Wortlaut, die in gewisser
Weise eine kirchliche Anerkennung der Vorgänge von Wigratzbad
darstellen. |
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| l. DER HEIMGANG |
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Im Namen des Vaters und des Sohnes und
des Heiligen Geistes, Amen. Liebe in christlicher Trauer und Hoffnung
versammelte Schwestern und Brüder!
Nun ist die uns so wohlbekannte Stimme verstummt. Ein Herz hat zu
schlagen aufgehört, das erfüllt war von der Liebe zu Gott
und den Menschen. Eine Frau der Kirche ist in die ewige Heimat heimgegangen.
Ihr Erdenleben ist ein Vorbild für das christliche Lebenszeugnis,
zu dem alte Getauften und Gefirmten vom Herrn berufen sind. In den
Letzten Monaten war Antonie Rädler an das Bett gefesselt. Immer
seltener wurden die Augenblicke, in denen sie die Menschen ansprechen
konnte. Frl. Antonie Rädler wurde ihnen zusehends entrückt,
bis sie am 9. Dezember heimgehen durfte in das ewige Leben.
Am Hochfest der Gottesmutter eine besondere Fügung
Ihr Heimgang ist für uns alte zu einem Zeichen geworden. Es scheint,
als hätte sie nach Gottes Willen warten sotten bis zum Hochfest
der Unbefleckt Empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria, die sie
in besonders inniger Weise ihr ganzes Leben Lang angerufen, der sie
Kapelle und Kirche erbaut, die sie unzählige Male in diesem Gotteshaus
gegrüßt hat mit dem Ave Maria, dem Gruß des Engels.
Dass Antonie am 9. Dezember heimgerufen wurde, an dem Tag, an dem
die Kirche in diesem Jahr das Hochfest der Immaculata gefeiert hat,
erscheint uns, so meine ich, als eine besondere Fügung Gottes.
Ihr Heimgang wurde zur Begegnung mit der verklärten Gottesmutter,
zu der wir mit der gesamten katholischen Kirche an diesem Tag gefleht
haben: "Trahe nos, Virgo Immaculata, post te curremus in odorem
unguentorum tuorum" - "Ziehe uns zu Dir, Unbefleckte Jungfrau,
damit wir Dir folgen. Deine Gewänder sind voller Herrlichkeit."
Ihr Heimgang am Fest der heiligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria
ist auch zur Begegnung mit ihrem verklärten Sohn geworden, den
Antonie Tag für Tag angefleht hat: "0 mein Jesus, ich glaube
an Dich, ich bete Dich an, ich hoffe auf Dich, ich liebe Dich aus
ganzem Herzen." Das Gebet erinnert an das Wort des Apostels Petrus:
"Ihn habt ihr nicht gesehen, und dennoch liebt ihr ihn, ihr seht
ihn auch jetzt nicht, aber ihr glaubt an ihn und jubelt in unsagbarer,
von himmlischer Herrlichkeit verklärter Freude, da ihr das Ziel
des Glaubens erreichen werdet: euer Heil" (Petr 1,81).
Lichtschein auf dem Antlitz der Sterbenden
Antonie's Begegnung mit Jesus und Maria wurde für sie zur Begegnung
mit dem Dreifaltigen Gott: Das "Ehre sei dem Vater und dem Sohn
und dem Heilgen Geiste" ist die kürzeste Zusammenfassung
ihres gläubigen Betens, Schaffens und Lebens. Im Lichtschein
der von himmlischer Herrlichkeit verklärten Freude steht also
der Heimgang der verehrten Frl. Antonie. Der Direktor dieser Gebetsstätte,
Dr. Rupert Gläser, sagte mir, am 9. Dezember nachmittags gegen
18.00 Uhr war auf dem Antlitz der sterbenden Antonie ein Lichtschein
zu sehen. Ich meine, wir können ihn deuten als einen Widerschein
der ungeheuren Freude, die Antonie Rädler empfand, als sie die
Augen für diese Welt schloss und der seligsten Jungfrau Maria
und ihrem Sohn, dem auferstandenen Erlöser begegnete und schließlich
in die volle Lichtherrlichkeit des Vaters, des Sohnes und des Heiligen
Geistes aufgenommen wurde, ein Heimgang im Lichtschein himmlischer
Herrlichkeit. Wir müssen sie beneiden. Wir brauchen nicht trauern
heute. Wir können gar nicht trauern. Der Heimgang von Antonie
ist der Abschluss ihres langen Erdenweges. Antonie Rädler würde
übermorgen, am 14. Dezember, das 92. Lebensjahr vollendet haben. |
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| II. DER
LEBENSWEG |
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Antonie Rädler ist am 14. Dezember
1899 in Wigratzbad ihren Eltern als viertes Kind geschenkt worden.
Ihre Mutter hatte dringend um einen Buben gebetet, von dem sie hoffte,
er werde einmal Priester werden. Als sie ein Mädchen gebar, war
ihre Enttäuschung zunächst sehr groß. Sie konnte nicht
ahnen, dass dieses vierte Kind, Antonie, später so viel für
die Priester, für heilige, seeleneifrige Priester beten und Tausende
und Abertausende von Menschen zum Gebet um gute Priester versammeln
werde. Die Zuneigung zu ihrem Kind ist aber nach einem Unfall Antonie's
auch bei der Mutter gewachsen. Und als ihre Tochter herangewachsen
und von den Nationalsozialisten mehrmals verurteilt, ja dem Tode überliefert
werden sollte, hat die gute Mutter Rädler dem lieben Gott versprochen:
"Wenn meine Tochter Antonie den Nationalsozialismus überlebt,
werde ich jeden Tag neun Rosenkränze beten." Antonie hat
überlebt und die Mutter hat ihr Versprechen gehalten. Seit dem
Ende des Krieges ist sie täglich um 3.00 Uhr morgens aufgestanden,
um neun Rosenkränze zu beten, ehe sie um 6.00 Uhr zur Frühmesse
ging und die Arbeit aufnahm.
Die Nazis mit ihrem Führer "wegbeten"
Ein Kind, das in der Gebetsatmosphäre einer gläubigen Familie
heranwachsen durfte und das Vorbild einer so betenden Mutter und eines
glaubensstarken Vaters vor Augen hatte, konnte nicht anders als eine
große, gläubige Beterin werden. Schon in den reiferen Jugendjahren
hat Antonie Mädchen um sich versammelt und mit ihnen eine marianische
Kongregation aufgebaut. Sie hat mir selber erzählt, dass sie
mit diesen Mädchen an den Sonntagen nachmittags in der Pfarrkirche
in Wohmbrechts betete, um die nationalsozialistische Gewaltherrschaft
mit ihrem Führer "wegzubeten", wie sie sagte. Das war
ihr Einsatz für Freiheit und Frieden und für die Zukunft
unseres Volkes und Vaterlandes. Und dieses Gebet war nicht vergebens.
Ihr Vater, der eine Metzgerei in Wigratzbad hatte, machte in der Stadt
Lindau eine Metzgerfiliale auf, die Antonie führte. Antonie stand
von morgens 8.00 Uhr bis abends im Laden. Nach Arbeitsschluss ging
sie jeden Tag über die Lindauer Brücke in das Marienheim
der Maria-Ward-Schwestern und betete dort bis tief in die Nacht hinein,
ehe sie gegen 2.00 Uhr oder 3.00 Uhr morgens wieder zurückkehrte,
die Hl. Messe besuchte und dann die Arbeit des Tages im Laden aufnahm.
Eine große Beterin.
Geheimnisvolle Rettung
Da trug sich 1936 etwas zu, was sie auch mir erzählt hat: Sie
hatte in der Metzgerei an einem zentralen Ort ein Marienbild, die
Dreimal Wunderbare Mutter von Schönstatt, angebracht. Eines Tages
kam eine Staffel von SA-Leuten mit einem Hitlerbild unter dem Arm
die Metzgerei und verlangte kategorisch die Entfernung des Marienbildes
und das Anbringen des Hitlerbildes. Darüber kam es zu einem heftigen
Streit in der Metzgerei. Antonie hat sich durchgesetzt, aber die Aufmerksamkeit
der damaligen Machthaber auf sich gezogen. Einige Tage später
wurde sie bei ihrem nächtlichen Heimgang von Unbekannten überfallen.
Einer hatte einen Sack in der Hand, in den Antonie Rädler wohl
gesteckt und im Bodensee ertränkt werden sollte. Da erschien
ein Radfahrer, der, von einem geheimnisvollen Lichtschein umgeben,
Antonie Rädler umkreiste und die Verfolger von ihr fernhielt,
bis sie ihren Metzgerladen erreichte. Am nächsten Tag holte sie
der Vater in Lindau ab und brachte sie heim. Er war nämlich von
einem Münchner Beamten des Innenministeriums darauf aufmerksam
gemacht worden, dass man seiner Tochter nach dem Leben trachte.
Der Engelsgesang an der Lourdesgrotte
Antonie errichtete auf dem elterlichen Grundstück eine Lourdesgrotte,
die heute neben der Kapelle "Maria vom Sieg" steht. Immer
mehr Beter kamen ZU dieser Grotte. In der Oktav von Maria Empfängnis
geschah es, dass Antonie in dieser Grotte einen Engelsgesang hörte.
Es waren viele Chöre der Engel, die eine Art himmlischer Sinfonie
bildeten und immer wieder die Worte sangen: "Unbefleckt empfangene
Mutter vom Sieg, bitte für uns." Antonie, die nicht wusste,
was das Erlebnis bedeuten sollte, suchte den alten, frommen, weisen
Pfarrer Feil in Eglofs auf, um ihm das Erlebnis zu erzählen,
Der kluge Seelsorger sagte ihr: "Antonie, geh nach Hause und
bitte die Gottesmutter, sie möge dir ein Zeichen geben. Dann
komm nach 10 Tagen wieder. Wenn bis dahin drei Wunder geschehen sind,
kannst du sicher sein, dass es die Mutter Gottes war, die will, dass
du diese Kirche erbaust." Schon auf dem Heimweg geschah das erste
Wunder, die Heilung eines krebskranken Vaters, drei andere folgten
in den nächsten Tagen.
Kapellenbau und Verhaftung
1938 errichtete Antonie die bekannte Kapelle, die den Titel erhielt:
"Unsere Liebe Frau, die unbefleckte Mutter vom Sieg". Im
selben Jahr wurde Antonie zum erstenmal verhaftet und in das berüchtigte
Gefängnis "Katzenstadl' nach Augsburg gebracht. Dies war
für sie eine schlimme Erfahrung: denn sie wusste nicht, dass
es kriminelle Frauen und Mörderinnen gibt, die keinen Glauben
hatten und nicht beten konnten. Am 7. Dezember 1938 war Antonie im
Gefängnis sehr verzweifelt, aber der Himmel half ihr. Um die
Mitternacht vom 7. auf den 8. Dezember trat die Hl. Jungfrau aus einer
Lichtwolke heraus auf sie zu, tröstete sie und sagte ihr, sie
würde noch vor Weihnachten freigelassen werden. Anschließend
[ehrte sie ihr ein Gebet, das "Kindlein-Jesu-Gebet", das
bis auf den heutigen Tag in der Adventszeit gebetet wird. Am 18. Dezember,
am Fest Mariä Erwartung, wurde Antonie wider altes Erwarten aus
dem Gefängnis entlassen.
Flucht vor der Gestapo
1940 sollte sie wiederum verhaftet werden; diesmal floh sie in den
Bregenzer Wald und versteckte sich dort mehrere Jahre bei einer guten
Familie, ständig von der Gestapo gesucht. Gegen Ende des Krieges
bekam sie eines Tages so große Angst, dass sie ihr Versteck
verließ. Noch am selben Tag umstellte die Gestapo das Haus,
in dem sie geweilt hatte, suchte nach ihr, ohne sie zu finden. Antonie
kam nach Wigratzbad zurück, wo sie der Vater in der Scheune versteckte,
bis der Krieg zu Ende war. Öfters kam die Gestapo, fand sie aber
nicht. Nach dem Krieg besetzten die Franzosen das Allgäu und
beschossen auch Wigratzbad. Über 180 Granaten schlugen in der
Nähe der Kapelle ein, die aber keinen Schaden erlitt. In den
Nachkriegsjahren errichtete Antonie Rädler neben der Kapelle
ein Sanatorium für krebskranke Menschen, das nach dem Tode des
Arztes im Jahre 1982 aufgegeben werden musste und zu einem Pilgerheim
wurde. Aus Dankbarkeit für ihre Rettung baute sie die größere
Kapelle "Maria vom Sieg" In alt diesen Jahren hielt sie
beharrlich die Sühnenächte in der Krypta und in der Kapelle,
allwöchentlich in der Nacht vom Donnerstag auf den Freitag und
jeden Samstag bis Mitternacht.
Hier ist der Finger Gottes am Werk
Nach meiner Ernennung zum Bischof im Jahre 1963 hat mich der damalige
Dekan Josef Hirschvogel von Lindau darauf aufmerksam gemacht, dass
hier in Wigratzbad etwas gutzumachen sei. Frl. Antonie Rädler
sei verleumdet und grundlos bei meinem Vorgänger Bischof Freundorfer
angeschuldigt worden. Daraufhin begab ich mich inkognito nach Wigratzbad,
um zu sehen und zu hören, was dort geschieht und wie dort gebetet
wird. Frl. Rädler, die mich bald erkannte, lud mich in ihr Haus
ein. Dort blieb ich den ganzen Nachmittag, und sie erzählte ihre
Geschichte. Ich erkannte, dass hier der Finger Gottes am Werk ist.
Und ich gab die Erlaubnis, in der Kapelle Maria vom Sieg" die
Liturgie zu feiern und zu beten, was mein Vorgänger, der falsch
unterrichtet war, verboten hatte. Als die Kapelle "Maria vom
Sieg" die vielen Beter nicht mehr fassen konnte, baute Frl. Rädler
die Kirche, die ich im Jahre 1976 auf den Titel der heiligsten Herzen
Jesu und Mariä geweiht habe. Anfang der achtziger Jahre wurde
das Pilgerheim "Sankt Josef' erbaut, das im Jahre 1988 fertiggestellt
wurde
So sterben die Heiligen
Bald darauf ließen die Kräfte von Frl. Antonie Rädler
nach, sie wurde bettlägerig und in den Letzten zwei Jahren aufopferungsvoll
von unseren Schwestern, den Dienerinnen Christi, gepflegt. Dafür
danken wir den Schwestern sehr herzlich. Schließlich kam ihr
Ende. Sie konnte schon Lange nicht mehr sprechen, deshalb war es erstaunlich,
dass sie in der vergangenen Woche plötzlich das Wort "Ende"
zweimal aussprechen konnte. Es war am 7. Dezember. Darauf hat man
am 7. oder 8. Dezember mit ihrem Ableben gerechnet; aber der Samstag
und der zweite Adventssonntag vergingen. Am Montag, dem 9. Dezember,
an dem wir, wie gesagt, das verschobene Fest der unbefleckten Empfängnis
Mariens feierten, erschien gegen 16.00 Uhr plötzlich ein Lichtschein
auf ihrem Gesicht, der dreimal zu sehen war, wie die Schwester, die
sie pflegte, versicherte. Wenige Minuten danach verschied Antonie
Rädler. So endete der Lebensweg der 92-jährigen im Lichte
Gottes. Der Heimgang und der Lebensweg von Frl., Rädler sind
etwas ganz Seltenes. So sterben die Heiligen. Was bleibt nun übrig
von ihrem Lebenswerk? |
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| III. DAS
VERMÄCHTNIS |
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Ich meine, heute ein dreifaches Vermächtnis
der Verstorbenen nennen zu dürfen:
1. Das Vorbild einer betenden Frau
Das Vorbild einer gottesfürchtigen, betenden, apostolisch tätigen
Frau. Das Vorbild einer gläubigen Frau, die in der Liebe Christi
gelebt und ausgeharrt hat. Das Vorbild einer begnadeten Frau, die
von den ' Gesinnungen der heiligsten Herzen Jesu und Mariä
erfüllt war. Das ist das erste, was bleibt. Das Vorbild einer
gottesfürchtigen, betenden Frau. Wahrhaftig, sie war eine Beterin
und hat die Menschen bewogen, mitzubeten. Wir hören ihre klare
Stimme noch, wie sie die Menschen mitriss, bei Tag und bei Nacht,
und ganze Nächte mit ihnen hindurch betete. Eine betende Frau,
die auf die Hilfe der heiligsten Gottesmutter vertraut hat. Tausende
Male hat sie gesprochen: "Unbefleckt empfangene Mutter vom
Sieg, bitte für uns!" Die Gott Liebende, apostolisch tätige
Frau war eine schlichte Frau aus dem Volke, eine Frau der Kirche.
Sie hat für das geistliche Leben der Kirche mehr geleistet,
als viele andere, die von der Emanzipation der Frau reden. Diese
Frau Antonie Rädler hatte ihren Platz in der Kirche gefunden:
ganz im Herzen Jesu, ganz im Herzen Gottes, ganz erfüllt von
der Gesinnung der Mutter Gottes. So wurde sie zum Werkzeug Gottes
für die Heilung der Menschen, für die Rettung dieser Wett.
Was bleibt, ist also zuerst ihr Vorbild, das Vorbild einer gottesfürchtigen,
betenden, apostolisch tätigen Frau.
2. Die Gebetsstätte Wigratzbad
Es bleibt die Gebetsstätte Wigratzbad. Was diese Gebetsstätte
kennzeichnet ist das Charisma des immerwährenden Betens, des
Rosenkranzgebetes insbesondere, der eucharistischen Anbetung des
Herrn. Eine Stätte des Gebetes, die ihren Höhepunkt in
der täglichen Feier der Eucharistie' ja der öfteren Feier
der Eucharistie in den Gebetstagen und -nächten hat. Auch die
eucharistischen Prozessionen möchte ich nennen. Hier lebt das
Charisma des immerwährender) Gebetes. Das Charisma auch der
stellvertretenden Sühne. Das ist das besondere, das wir an
anderen Gebetsstätten nicht so finden. Jesus Christus, unser
einziger Mittler zwischen Gott und den Menschen hat durch seinen
Tod und seine Auferstehung die Sünde der Wett gesühnt
ein für allemal. Aber er hat uns, die Getauften dazu berufen,
dass wir in seinem Namen seine Sühneleistung Gott dem himmlischen
Vater darbieten für das Heil der Welt. Das wollte Frl. Antonie
Rädler, das hat sie verstanden, das hat sie geübt. Antonie
hat an der stellvertretenden Sühneleistung Jesu Christi teilgenommen.
Daher wollte sie eine "Herz-Jesu- und Herz-Mariä-Sühnekirche
bauen. Zur Sühne für die Sünden der Menschen von
heute, insbesondere zur,' Sühne für die schrecklichen
Verbrechen» die täglich begangen werden, zur Sühne
für die sich verbreitende Unsittlichkeit, zur Sühne für
die Entheiligung des Sonntags, zur Sühne für die Rettung
der Sünder. Das war ihr Apostolat. Für diese Menschen
hat sie sich Tag und Nacht im Gebet eingesetzt. Diese Sühnekirche
ist ausgestattet mit sechs Beichtstühlen. Viele Menschen kommen,
um hierzu beten, viele bekehren sich, beichten und empfangen das
große Geschenk des auferstandenen Erlösers, die Vergebung
der Sünden, und kehren als österliche Menschen im Frieden
Christi wieder heim.
3. Apostolat um heilige und seeleneifrige Priester
Das Charisma dieser Gebetsstätte des immerwährenden Gebets
und der Sühne ist auch das Charisma des Gebetsapostolats um
heilige und seeleneifrige Priester. Antonie hat mit frappierender
Sicherheit vorhergesagt: "Hier wird ein Priesterseminar entstehen
und es werden Seminaristen aus Rom kommen." Der Passionistenpater
Johannes, der ihr zwanzig Jahre bis zu seinem Tod zur Seite stand,
sagte mir bei meinem letzten Besuch kurz vor seinem Heimgang: "Sorgen
Sie für heilige, seeleneifrige Priester!" Das war sein
Vermächtnis, das Vermächtnis, das er von Antonie empfangen
hatte.
Was also bleibt, ist das Vorbild, das Antonie gegeben hat, die Gebetsstätte,
die sie gebaut hat, und schließlich das Priesterseminar der
St. Petrusbruderschaft, die im Jahre 1988 von Papst Johannes Paul
II. errichtet worden ist.
Als mir Direktor Dr. Rupert Gläser im August 1988 sagte, das
Pilgerheim sei gerade fertig geworden, es könne sofort bezogen
werden, habe ich dem Heiligen Vater über Kardinal Augustinus
Mayer die Zusage gegeben: "Die Priesterbruderschaft St. Petrus
kann in der Diözese Augsburg an der Gebetsstätte Wigratzbad
Aufnahme finden." Und ich fügte hinzu, "dass ich
keinen besseren Ort für sie wisse, als die Gebetsstätte
Maria vom Sieg". Vom Himmel her werden Antonie Rädler
und P. Johannes, der Hl. Petrus und die liebe Gottesmutter als Fürsprecher
die Gnade des Heiligen Geistes erflehen, dass die Priesterbruderschaft
St. Petrus in der Heiligen Kirche den Platz einnehme, der ihr durch
den heiligen Willen Gottes bestimmt ist. "In allem soll Gott
verherrlicht werden durch Jesus Christus" (1 Petr 4,11).
Liebe Brüder und Schwestern,
wenn wir bei diesem Begräbnisgottesdienst auf den Heimgang,
den Lebensweg und das Lebenswerk von Antonie blicken, legen wir
nun sie und ihr Vermächtnis getrost in Gottes Hände. Er
gewähre uns, dass auch wir unser Leben im Lichte vollenden,
in der Begegnung mit Unserer Lieben Frau, mit Jesus Christus und
mit ihm, dem Heiligen Dreifaltigen Gott. Amen.
KIRCHE heute 11/99 |
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